Wundert euch!

Wenn ich an einen neuen Ort ziehe oder reise, dann fallen mir plötzlich immer so Kleinigkeiten auf. Dinge, die einem an den vertrauten Orten nicht mehr so auffallen oder auf die man nicht mehr achtet. Alles riecht irgendwie neu und der Zauber des Neuen lässt mich auch bei Kleinigkeiten oft einen Moment innehalten und schmunzeln oder wundern oder nachdenken. Ich werde versuchen, das in Berlin möglichst lange zu behalten, mir auch wirklich die Zeit nehmen, solche Sachen bewusst wahrzunehmen. Und seien sie noch so banal! Wenn man kleine Kinder eine Weile beobachtet, finde ich es immer wieder unglaublich faszinierend, wie selbst die kleinsten Kleinigkeiten (das Rascheln einer Zeitung, eine bunte Lampe, das Schaukeln eines Mobiles) als die spannendste Beschäftigung überhaupt funktioniert. Wie Kinder sich für alles begeistern können finde ich grandios! Wir sollten uns alle auch viel öfter für Kleinigkeiten begeistern. Oder sie zumindest wahrnehmen!

berlin-15062009-s41-ringbahn-uhrzeigerrichtung-305057Ich hatte bereits ein paar solcher Momente in Berlin, einen davon möchte ich zumindest kurz als Beispiel erwähnen. Ich war ja schon häufig zum Arbeiten oder Freunde besuchen in Berlin, dennoch bin ich erst irgendwann vor ein paar Wochen das allererste Mal Ringbahn gefahren. Den Begriff der Berliner Ringbahn kannte ich natürlich, auch hat man ja aufgrund der Bezeichnung bereits eine gute Vorstellung, was die so macht. Das ist eben eine Bahnlinie, die im Kreis fährt. An sich schon mal ein schlaues System, wie ich finde.

berlin-26052012-s42-ringbahn-entgegen-602911Den eigentlichen Moment hatte ich dann aber erst beim zweiten Mal fahren: Die S41 fährt im Uhrzeigersinn, die S42 gegen! Hallo? Wie schlau ist das denn bitte?! Der Clou: Damit es auch wirklich der Letzte noch versteht, sind sogar die Ringbahnsymbole entsprechend mit einem Richtungspfeil gekennzeichnet. Wirklich schlau.

Wem das jetzt zu banal ist oder wer sich denkt „Oh man, bist Du doof, was dachtest Du denn wie das funktioniert?!“ dem sei von echten Helden gesagt: Zeit heilt alle Wunder.

:)

1 Jahr Vollzeit

Heute bin ich genau ein Jahr festangestellt. Mit einem richtigen Arbeitsvertrag und einer echten 40-Stunden Woche und einem festen monatlichen Gehalt. Höchste Zeit also, das Jahr mal Revue passieren zu lassen.

Zunächst einmal sei erwähnt, dass ich natürlich vorher schon gearbeitet hatte und das auch nicht zu knapp und auch das Agenturleben bereits intensiver kennenlernen konnte. Ich habe mit Beginn des zweiten oder dritten Semesters angefangen, in einer Agentur für Markenkommunikation in Detmold/Hamburg zu arbeiten (WAW-Gruppe bzw. Kontor für Medien) und war dort für die Umsetzung von Weblayouts zuständig. Noch so ganz ohne ContentManagementSysteme, einfach nur simples HTML und CSS und ein bisschen PHP für schönere URLs. Als dann 2010 meine Bachelorarbeit anstand, bin ich ins Digitalkombinat gelangt und später, so 2013, dann ja auch direkt weiter ins PALASTHOTEL. Aber ich war eben immer überall „nur“ Freelancer, ohne Sicherheiten, ohne geregeltes Einkommen, ohne Verträge.

Tja und nun sitze ich hier im Büro an meinem lieb gewonnenen Schreibtisch und habe all das. Sicherheit, geregeltes Einkommen, 40-Stunden-Woche (meistens mehr, manchmal weniger). Und ich hab das letzte Jahr an ner Menge kuhlem Zeugs rum gedängselt. Die ersten Wochen konnte ich mich in Ruhe wieder einfinden, indem ich bei der EMMA ein paar kleine Aufgaben übernommen habe. Passend, weil ich daran schon vor meinem Australien-Aufenthalt gearbeitet hatte und somit das System einigermaßen kannte. Und in einem der ersten JourFixes bat ich um Verständnis, dass ich mich nach 6 Monaten Rasenmäherei erstmal wieder an Drupal und den ganzen Kram gewöhnen muss. Worauf hin Maurice feststellte:

Drupal ist ja im Grunde wie Rasen mähen.“

Und da ist ein bisschen was Wahres dran auch :D
Dann bin ich relativ schnell beim Relaunch von Reise Know-How eingestiegen und weil Marcus als Projektverantwortlicher kurz vor Launch im Urlaub war habe ich da irgendwie zufällig das Zepter übernommen. Die Verantwortung zu einem so frühen Zeitpunkt tat gut und die Kommunikation war insofern kein Stück problematisch, als dass Projektleiterin auf Kundinnenseite nun mal keine Geringere war als meine Lieblingsstudienkollegin und Ex-Lieblingsmitbewohnerin Franzi (aka Nupsi). Das hat nichts an der Ernsthaftigkeit der Aufgabe und des Projekts geändert und das hätte alles auch geklappt, wenn das nicht Franzi gewesen wäre, aber so war es eben ein leichterer Einstieg ins Projekte-im-Überblick-behalten-und-irgendwie-zu-einem-akzeptablen-Launch-begleiten-Dasein.

Danach habe ich mit Stephan zusammen ein Portal für die Verlagsgruppe Handelsblatt auf WordPress-Basis hochgezogen – Das Mittelstandsportal. Dabei war vor allem (mal abgesehen von ein paar technischen Finessen) die Zusammenarbeit mit einer der größten Werbeagenturen Europas interessant. Da lernt man nämlich, dass auch Senior Key Account Director Online im Grunde nur mit Wasser kochen. Und dass die sogar total nett sein können.

Irgendwann im Herbst bin ich dann so nach und nach in die Betreuung der Springer-Portale My Entdecker, Wand und Beet, Red Carpet und World’s Luxury Guide eingestiegen und habe dann auch nach und nach die Projektleitung übernommen. Inhaltlich und optisch keine großen Aushängeschilder, aber technisch eine echte Herausforderung weil die Drupals ziemlich komplex sind und jede noch so kleine Änderung gar nicht mal sooo einfach ist. Gut dass der Sascha da immer nochmal für Rückfragen zu sprechen ist.

Mit so Betriebsprojekten kann man sich die Arbeitszeit ganz schön schnell und relativ einfach vertreiben, das ist aber auf Dauer auch etwas ermüdend, so dass ich froh war dann mit Netz gegen Nazis mein erstes komplett „eigenes“ Projekt inklusive Design zu bekommen. Das war toll. Irgendwann dieses Jahr bin ich dann auch noch zur Migratorin aufgestiegen und habe für RollingStone und MetalHammer (und aktuell noch laufend Musikexpress) die Migration der Altdaten übernommen. Enno hat da den Grundstein gelegt und mir alles gezeigt und dann habe ich das umgebaut, erweitert und immer mal wieder angeschmissen und überprüft. Was man eben so macht, wenn man 150.000 Inhalte importiert. Achso und mit der lieben Katha zusammen habe ich den Seiten surfer-haben-rechte.de und vzbv.de bei ein paar technischen Neuerungen geholfen.

Und sonst? Weil ich ein ziemlicher Klugscheißer und obendrein noch der totale Orthografie- und Typografie-Nazi bin, lese ich unsere Offerten Korrektur und mache, dass die nach ein bisschen was aussehen.

Hihi. Lustig… Als ich diesen Beitrag angefangen habe zu schreiben dachte ich noch, dass ich gar nicht viel gemacht habe in meinem ersten Jahr. Aber nun ist es ja doch eine ganze Menge, wenn man es so liest. Da sind auch doch ganz schön tolle Sachen dabei gewesen. Was mir aber wirklich fehlt das letzte Jahr ist Zeit. Echt! Das hätte ich nie gedacht, als damals die großen Leute immer gesagt haben, man habe niemals wieder soviel Zeit wie als SchülerIn oder wenn man studiert. Aber es stimmt! Mir fehlt die Zeit für mich selbst. Um die Seele baumeln zu lassen. Um Freunde zu sehen. Um kreativ zu sein. Das ist glaube ich das Schlimmste. Dass ich aktuell nicht die Zeit übrig habe für Kreativität. Denn für die brauche ich nunmal Zeit. Also ich könnte mir natürlich die Zeit „nehmen“. Aber das ist eben nicht das Selbe. In einem begrenzten Zeitslot von X Kreativität erzwingen zu wollen geht bei mir nicht. Das ist schon schade. Außerdem fehlt mir nach einem Tag im Büro auch oft die „Kraft“ oder Motivation, mich noch für irgendwas anderes aufzuraffen, als für in die Glotze starren. Ich dachte zunächst, dass ich mich da erst dran gewöhnen muss, an diese Büroarbeit, aber aktuell glaub ich nicht, dass das sehr viel besser werden wird. Auch das finde ich ziemlich schade, habe ich doch früher™ überhaupt kein ferngesehen. Ich sollte stattdessen mal wieder ein Bild malen. Ohje, wie lange hab ich nicht mehr gemalt.

Ich glaube, man muss einen Weg finden, dass einen die Arbeit die man macht so sehr erfüllt und ganzheitlich herausfordert, dass das mit der fehlenden Zeit nebensächlich wird. Ich bin da auf einem guten Weg, denke ich. Denn das was ich da tue, mache ich wirklich unglaublich gern! Und wenn da jetzt noch ein paar mehr neue Projekte hinzukommen, wo ich mich auch mal voll einbringen kann (was das erste Jahr eher selten der Fall war), dann wird das ganz ganz toll und dann halte ich das auch 40 Jahre durch. Immerhin arbeite ich in der geilsten Firma des deutschsprachigen Mitteleuropas! Und wer kann das schon von sich behaupten?! :)