Einmachgläser

Und dann sind da diese ganzen Erinnerungen, die nicht ewig bleiben, die Du am liebsten konservieren möchtest. Und Du bekommst Angst, weil das eben nicht geht, versuchst krampfhaft eins dieser Einmachgläser voll Erinnerungen zu öffnen, aber es klappt nicht, es klemmt einfach. Du wirst traurig und bekommst noch mehr Angst, richtige Panik. „Es muss sich doch öffnen lassen! Vor ein paar Wochen wusste ich es doch noch!“

Erschöpft gibst Du auf und versuchst Dich mit irgendwas abzulenken und da, plötzlich: Ein Lied im Radio! Und eine völlig neue Erinnerung an etwas, an das Du schon sehr lange nicht mehr gedacht hast, taucht wie aus dem Nichts auf. Und lächelnd erinnerst Du Dich: Du wirst ihn niemals vergessen.

Ode an meinen Hund

Du möchtest nicht allein sein, aber zu viel Nähe ist Dir auch nicht angenehm. Du hast einfach nie gelernt, einen Menschen nah an Dich heran zu lassen. Du hast nie mit Sicherheit gelernt, dass Nähe Dir auch gut tun kann.

Wenn Du unsicher bist und mit Situationen nicht anders umzugehen weißt, fängst Du an, albern zu werden und bringst andere damit zum lachen. Obwohl Du einem eigentlich leid tun solltest, denn schließlich bist Du gestresst und weißt Dir nicht anders zu helfen. 

Du bist selten wirklich entspannt. Selbst wenn Du satt und müde bist, kannst Du nur dann ernsthaft abschalten, wenn Du nicht mehr das Gefühl hast, um Dich herum etwas (überlebens)wichtiges zu verpassen. Und dieses Gefühl hast Du sehr oft. Du hast einfach nie gelernt, auf jemand anderes außer auf Dich selbst und Deine eigene Wachsamkeit zu vertrauen.

Du hast große Verlustängste, brauchst aber dennoch meist Deine Ruhe. Du hast einfach schon zu oft verloren. Du willst allein sein, aber nicht einsam. Und der Unterschied ist Dir manchmal selbst nicht richtig klar.

Du kannst Deine Vergangenheit nicht gänzlich hinter Dir lassen. Doch meistens siehst Du fröhlich dabei aus, Dein Lächeln und Deine treuen Augen täuschen sehr zuverlässig über Deine innersten Unsicherheiten hinweg. Mutig läufst Du voran, erschnüffelst Dir Dein neues Leben und wagst jeden Tag ein bisschen mehr Vertrauen in die Welt.

Perspektivwechsel

Immer wenn ich mit dem Zug über das Schildescher Viadukt fahre, bewundere ich die Schönheit dieser Landschaft – ein idyllisches Kleinod so kurz vor dem Hauptbahnhof.
Jetzt, da ich mit dem Hund des Öfteren durch ebendiese Landschaft schlendere, fällt mir auf, wie sehr die durchrauschenden Züge die Idylle stören.
Es ist eben alles eine Frage der Perspektive.

Der Luftballon

Das war wohl nicht nach deinem Sinn,
o weh, mein kleiner Hans!
Da fliegt dein Luftballon dahin
im Morgensonnenglanz.

Und alle Leute um und um,
sie stehn und sehn empor
und freun sich gar und lachen drum,
daß Hänschen ihn verlor.

Da geht er ab und segelt fort,
empor mit leichtem Flug
und sucht sich einen andern Ort –
die Welt ist groß genug.

In blaue Luft steigt er gemach,
und unerreichbar fern verstrahlt
er überm Kirchendach
als wie ein roter Stern.

Nach Süden segelt er geschwind,
zum fernen Afrika,
wo all die andern Menschen sind,
und bald ist er schon da.

Wie dann sich wohl die Menschen freun,
und alles tanzt und springt,
wenn übermorgen um halb neun
er dort heruntersinkt!

(Heinrich Seidel)

Verlust

„Man muß nie verzweifeln, wenn einem etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muß, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muß in sich selber leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte, dem gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt.“ Rainer Maria Rilke

Von Wegen und Zielen

Als ich das letzte Mal einen Tag mit der kleinen Giraffe verbracht habe, wollte sie auf dem Rückweg vom Spielplatz unbedingt Straßenbahn fahren. Das „Problem“ war aber, dass wir quasi keine Station mehr näher in Richtung zuhause hätten fahren können und es war schon kurz vorm Mittagessen und ich wollte noch was einkaufen und und und. Also musste ich ihr das geschickt mit Argumenten ausreden. „Wir können jetzt nirgends hinfahren mit der Straßenbahn…“ – „Stassebah! Stassebah!“ – „Wir müssen jetzt mal nach Hause, wir haben ja auch gar keinen Fahrschein!“ – „Stassebah! Stassebah! Kauffe da!“ (zeigt auf den Fahrkarten-Automat – schlaues Kind). Irgendwie konnte ich sie dann doch noch überzeugen, aber es hat etwas gedauert.

Für heute hatte ich mir mit ihr vorgenommen: Straßenbahn fahren! Und gestern hatte ich auch noch überlegt, wo man denn so hinfahren könnte mit der Straßenbahn.

Heute morgen habe ich es dann endlich endlich verstanden: Nirgends! Hauptsache Straßenbahn fahren. In solchen Momenten fällt mir immer wieder auf, wieviel wir doch von Kindern lernen können. Der Weg ist das Ziel. Straßenbahn fahren um des Fahrens willen! Fahren um zu fahren. Wenn’s ums Rad geht, bin ich da schonmal (aber nur bei gutem Wetter) von selbst drauf gekommen – auf die Straßenbahn bezogen brauchte ich erst das schlaue Hirn einer Zweijährigen. Von Kindern können wir wirklich sehr viel lernen!

Marien…begegnung

Gestern Nacht hatte ich eine ungewöhnliche Begegnung. Ich lag so im Dunkeln im Bett und habe noch Serien auf dem iPad geguckt. Auf einmal sah ich im Augenwinkel etwas auf dem Kopfkissen neben meinem Kopf krabbeln. Reflexartig und leicht schockiert habe ich das krabbelnde Wesen dann vom Kissen runtergewischt und das Licht angeschaltet, um zu sehen, was es denn nun war. Man denkt ja erstmal „Huch, eine Spinne!“ oder sowas in der Art. Aber es war ein Marienkäfer! Schon sehr ungewöhnlich für die Jahreszeit, finde ich und das dann auch noch im Stockdunkeln! Ich hatte schonmal eine ähnlich seltsame Begegnung – damals mit einer Motte – und kannte daher Schamanische Krafttiere und dass manche Leute daran glauben, dass solche Tierbegegnungen oder -begleitungen eine Bedeutung haben (so ein bisschen wie ein Horoskop oder so).

Die „Bedeutung“ des Marienkäfers ist so hübsch, dass ich sie hier festhalten muss:

Fliegt der Marienkäfer als Krafttier in Ihr Leben, so steht Ihnen eine glückliche Zeit und gutes Gelingen bei all Ihren Vorhaben bevor. Wenn Ihnen bisher immer eine Portion Glück für bestimmte Sachen gefehlt hat, dann können Sie jetzt sicher sein, dass Ihnen das Krafttier Marienkäfer genug Glück schenken wird, damit Sie sich endlich ein paar Träume und Wünsche erfüllen können. Gleichermaßen schenkt er Ihnen Hoffnung und Zuversicht, dass sich alles so entwickeln wird, wie es für Sie am Besten ist. Sind Sie verzweifelt, traurig oder verletzt dann spendet Ihnen das Krafttier Marienkäfer Trost und macht Ihnen neuen Mut, damit Sie einmal mehr aufstehen, wie Sie hinfallen. Ebenso nimmt Ihnen der Marienkäfer als Krafttier die Zweifel, die Sie an sich selbst, an Anderen oder einer bestimmten Sache hegen und auch die Angst, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Denn letzendlich kommt doch alles wie es soll – egal ob wir uns im ersten Moment dafür oder dagegen entscheiden. Lassen Sie die Liebe in Ihr Herz und trauen Sie sich mehr zu. Erarten Sie voller Freude eine positive Wendung in Ihrem Leben, die Sie mit Freude, Dankbarkeit und inneren Frieden erfüllen wird. Der Marienkäfer als Krafttier sagt Ihnen aber auch, dass man nicht immer auf das Glück warten oder es suchen sollte, da es meistens dort wartet, wo wir es nie erwarten oder suchen würden – in uns selbst!  Entdecken Sie daher die Schönheit und Einfachheit in Ihrem Leben neu, dann finden Sie auch das Glück von ganz alleine.

Doppelt hübsch, wenn man bedenkt, dass ich morgen in eine Straße mit dem klangvollen Namen Marienburger Straße umziehe… :)

Wundert euch!

Wenn ich an einen neuen Ort ziehe oder reise, dann fallen mir plötzlich immer so Kleinigkeiten auf. Dinge, die einem an den vertrauten Orten nicht mehr so auffallen oder auf die man nicht mehr achtet. Alles riecht irgendwie neu und der Zauber des Neuen lässt mich auch bei Kleinigkeiten oft einen Moment innehalten und schmunzeln oder wundern oder nachdenken. Ich werde versuchen, das in Berlin möglichst lange zu behalten, mir auch wirklich die Zeit nehmen, solche Sachen bewusst wahrzunehmen. Und seien sie noch so banal! Wenn man kleine Kinder eine Weile beobachtet, finde ich es immer wieder unglaublich faszinierend, wie selbst die kleinsten Kleinigkeiten (das Rascheln einer Zeitung, eine bunte Lampe, das Schaukeln eines Mobiles) als die spannendste Beschäftigung überhaupt funktioniert. Wie Kinder sich für alles begeistern können finde ich grandios! Wir sollten uns alle auch viel öfter für Kleinigkeiten begeistern. Oder sie zumindest wahrnehmen!

berlin-15062009-s41-ringbahn-uhrzeigerrichtung-305057Ich hatte bereits ein paar solcher Momente in Berlin, einen davon möchte ich zumindest kurz als Beispiel erwähnen. Ich war ja schon häufig zum Arbeiten oder Freunde besuchen in Berlin, dennoch bin ich erst irgendwann vor ein paar Wochen das allererste Mal Ringbahn gefahren. Den Begriff der Berliner Ringbahn kannte ich natürlich, auch hat man ja aufgrund der Bezeichnung bereits eine gute Vorstellung, was die so macht. Das ist eben eine Bahnlinie, die im Kreis fährt. An sich schon mal ein schlaues System, wie ich finde.

berlin-26052012-s42-ringbahn-entgegen-602911Den eigentlichen Moment hatte ich dann aber erst beim zweiten Mal fahren: Die S41 fährt im Uhrzeigersinn, die S42 gegen! Hallo? Wie schlau ist das denn bitte?! Der Clou: Damit es auch wirklich der Letzte noch versteht, sind sogar die Ringbahnsymbole entsprechend mit einem Richtungspfeil gekennzeichnet. Wirklich schlau.

Wem das jetzt zu banal ist oder wer sich denkt „Oh man, bist Du doof, was dachtest Du denn wie das funktioniert?!“ dem sei von echten Helden gesagt: Zeit heilt alle Wunder.

:)

Terror

„Die Dramatisierung zukünftiger Umbrüche in den Bedingungen menschlicher Existenz scheint bereits vollzogene Verschiebungen aus dem Blick zu verlieren, die in solcher Weise habitualisiert wurden, daß sie nicht mehr als Beunruhigung erzeugende Verformungen sozialen Lebens gelten, sondern als integrale Bestandteile des sozialen Alltagswissens heutiger Gesellschaft aufgefasst werden können.“ (aus irgendeinem Seminartext aus Studienzeiten)

1 Jahr Vollzeit

Heute bin ich genau ein Jahr festangestellt. Mit einem richtigen Arbeitsvertrag und einer echten 40-Stunden Woche und einem festen monatlichen Gehalt. Höchste Zeit also, das Jahr mal Revue passieren zu lassen.

Zunächst einmal sei erwähnt, dass ich natürlich vorher schon gearbeitet hatte und das auch nicht zu knapp und auch das Agenturleben bereits intensiver kennenlernen konnte. Ich habe mit Beginn des zweiten oder dritten Semesters angefangen, in einer Agentur für Markenkommunikation in Detmold/Hamburg zu arbeiten (WAW-Gruppe bzw. Kontor für Medien) und war dort für die Umsetzung von Weblayouts zuständig. Noch so ganz ohne ContentManagementSysteme, einfach nur simples HTML und CSS und ein bisschen PHP für schönere URLs. Als dann 2010 meine Bachelorarbeit anstand, bin ich ins Digitalkombinat gelangt und später, so 2013, dann ja auch direkt weiter ins PALASTHOTEL. Aber ich war eben immer überall „nur“ Freelancer, ohne Sicherheiten, ohne geregeltes Einkommen, ohne Verträge.

Tja und nun sitze ich hier im Büro an meinem lieb gewonnenen Schreibtisch und habe all das. Sicherheit, geregeltes Einkommen, 40-Stunden-Woche (meistens mehr, manchmal weniger). Und ich hab das letzte Jahr an ner Menge kuhlem Zeugs rum gedängselt. Die ersten Wochen konnte ich mich in Ruhe wieder einfinden, indem ich bei der EMMA ein paar kleine Aufgaben übernommen habe. Passend, weil ich daran schon vor meinem Australien-Aufenthalt gearbeitet hatte und somit das System einigermaßen kannte. Und in einem der ersten JourFixes bat ich um Verständnis, dass ich mich nach 6 Monaten Rasenmäherei erstmal wieder an Drupal und den ganzen Kram gewöhnen muss. Worauf hin Maurice feststellte:

Drupal ist ja im Grunde wie Rasen mähen.“

Und da ist ein bisschen was Wahres dran auch :D
Dann bin ich relativ schnell beim Relaunch von Reise Know-How eingestiegen und weil Marcus als Projektverantwortlicher kurz vor Launch im Urlaub war habe ich da irgendwie zufällig das Zepter übernommen. Die Verantwortung zu einem so frühen Zeitpunkt tat gut und die Kommunikation war insofern kein Stück problematisch, als dass Projektleiterin auf Kundinnenseite nun mal keine Geringere war als meine Lieblingsstudienkollegin und Ex-Lieblingsmitbewohnerin Franzi (aka Nupsi). Das hat nichts an der Ernsthaftigkeit der Aufgabe und des Projekts geändert und das hätte alles auch geklappt, wenn das nicht Franzi gewesen wäre, aber so war es eben ein leichterer Einstieg ins Projekte-im-Überblick-behalten-und-irgendwie-zu-einem-akzeptablen-Launch-begleiten-Dasein.

Danach habe ich mit Stephan zusammen ein Portal für die Verlagsgruppe Handelsblatt auf WordPress-Basis hochgezogen – Das Mittelstandsportal. Dabei war vor allem (mal abgesehen von ein paar technischen Finessen) die Zusammenarbeit mit einer der größten Werbeagenturen Europas interessant. Da lernt man nämlich, dass auch Senior Key Account Director Online im Grunde nur mit Wasser kochen. Und dass die sogar total nett sein können.

Irgendwann im Herbst bin ich dann so nach und nach in die Betreuung der Springer-Portale My Entdecker, Wand und Beet, Red Carpet und World’s Luxury Guide eingestiegen und habe dann auch nach und nach die Projektleitung übernommen. Inhaltlich und optisch keine großen Aushängeschilder, aber technisch eine echte Herausforderung weil die Drupals ziemlich komplex sind und jede noch so kleine Änderung gar nicht mal sooo einfach ist. Gut dass der Sascha da immer nochmal für Rückfragen zu sprechen ist.

Mit so Betriebsprojekten kann man sich die Arbeitszeit ganz schön schnell und relativ einfach vertreiben, das ist aber auf Dauer auch etwas ermüdend, so dass ich froh war dann mit Netz gegen Nazis mein erstes komplett „eigenes“ Projekt inklusive Design zu bekommen. Das war toll. Irgendwann dieses Jahr bin ich dann auch noch zur Migratorin aufgestiegen und habe für RollingStone und MetalHammer (und aktuell noch laufend Musikexpress) die Migration der Altdaten übernommen. Enno hat da den Grundstein gelegt und mir alles gezeigt und dann habe ich das umgebaut, erweitert und immer mal wieder angeschmissen und überprüft. Was man eben so macht, wenn man 150.000 Inhalte importiert. Achso und mit der lieben Katha zusammen habe ich den Seiten surfer-haben-rechte.de und vzbv.de bei ein paar technischen Neuerungen geholfen.

Und sonst? Weil ich ein ziemlicher Klugscheißer und obendrein noch der totale Orthografie- und Typografie-Nazi bin, lese ich unsere Offerten Korrektur und mache, dass die nach ein bisschen was aussehen.

Hihi. Lustig… Als ich diesen Beitrag angefangen habe zu schreiben dachte ich noch, dass ich gar nicht viel gemacht habe in meinem ersten Jahr. Aber nun ist es ja doch eine ganze Menge, wenn man es so liest. Da sind auch doch ganz schön tolle Sachen dabei gewesen. Was mir aber wirklich fehlt das letzte Jahr ist Zeit. Echt! Das hätte ich nie gedacht, als damals die großen Leute immer gesagt haben, man habe niemals wieder soviel Zeit wie als SchülerIn oder wenn man studiert. Aber es stimmt! Mir fehlt die Zeit für mich selbst. Um die Seele baumeln zu lassen. Um Freunde zu sehen. Um kreativ zu sein. Das ist glaube ich das Schlimmste. Dass ich aktuell nicht die Zeit übrig habe für Kreativität. Denn für die brauche ich nunmal Zeit. Also ich könnte mir natürlich die Zeit „nehmen“. Aber das ist eben nicht das Selbe. In einem begrenzten Zeitslot von X Kreativität erzwingen zu wollen geht bei mir nicht. Das ist schon schade. Außerdem fehlt mir nach einem Tag im Büro auch oft die „Kraft“ oder Motivation, mich noch für irgendwas anderes aufzuraffen, als für in die Glotze starren. Ich dachte zunächst, dass ich mich da erst dran gewöhnen muss, an diese Büroarbeit, aber aktuell glaub ich nicht, dass das sehr viel besser werden wird. Auch das finde ich ziemlich schade, habe ich doch früher™ überhaupt kein ferngesehen. Ich sollte stattdessen mal wieder ein Bild malen. Ohje, wie lange hab ich nicht mehr gemalt.

Ich glaube, man muss einen Weg finden, dass einen die Arbeit die man macht so sehr erfüllt und ganzheitlich herausfordert, dass das mit der fehlenden Zeit nebensächlich wird. Ich bin da auf einem guten Weg, denke ich. Denn das was ich da tue, mache ich wirklich unglaublich gern! Und wenn da jetzt noch ein paar mehr neue Projekte hinzukommen, wo ich mich auch mal voll einbringen kann (was das erste Jahr eher selten der Fall war), dann wird das ganz ganz toll und dann halte ich das auch 40 Jahre durch. Immerhin arbeite ich in der geilsten Firma des deutschsprachigen Mitteleuropas! Und wer kann das schon von sich behaupten?! :)

 

Zutrauen! Traut euch!

Jeden Morgen gegen 7:45 Uhr gleicht die Sackgasse in der ich wohne ein bisschen einer Autobahn. Autos kommen, Türen gehen auf und schlagen wieder zu, Autos entfernen sich. 

Ich habe mir erst immer nichts dabei gedacht aber letztens habe ich mal nachgesehen was da überhaupt los ist. Es sind Grundschüler, die von ihren Eltern abgesetzt werden; hinter meinem Haus ist nämlich eine Grundschule und man kann so einen kleinen Fußweg entlang gehen um dahin zu kommen.

Heute Morgen habe ich mir mal den Spaß gemacht, zu zählen. Ich kam auf 80 Autos, die anhalten, ihr Kind rauslassen und wieder abfahren. Achtzig! Wieviel Kinder mögen wohl auf diese Schule gehen? Und man muss auch bedenken, dass der eigentliche Eingang an einer anderen Straße liegt. Da halten sicher auch noch mal einige Autos.

Ich muss mich nun ein bisschen fragen, was eigentlich mit den Kindern los ist, dass die nicht alleine zur Schule gehen können. Oder was mit den Eltern los ist, die das ihren Kindern offenbar nicht zutrauen. (Von der Belastung für die Umwelt möchte ich hier gar nicht erst anfangen.)

Als ich zur Grundschule ging, wurde ich nämlich nicht hingefahren und wieder abgeholt. Und meine Freunde und Freundinnen, mit denen ich den Schulweg zusammen bestritt, auch nicht. Ich erinnere mich auch noch daran, dass das die ersten Male ganz schön aufregend war. Am Anfang ist nämlich immer noch eine der Mütter mitgegangen, zum Üben quasi, aber dann nach ein paar Wochen sind wir alleine gelaufen. Ich glaube, dass das mein erster wichtiger Schritt in Richtung Selbständigkeit war. Und wie stolz ich war, dass ich das mit meinen Grundschulfreundinnen teilen konnte. Hoch erhobenen Hauptes mit dem schweren Tornister auf dem Rücken der allen Vorbeifahrenden deutlich machte: Jaha! Wir gehen schon in die Schule! Und später manchmal auf dem Rückweg haben wir auch mal gebummelt, obwohl wir das nicht sollten, und haben Schnecken gesammelt. Wir waren die Stolzesten!

Es ist doch irgendwie schade, dass offenbar wenig Kinder diese Erfahrung noch machen dürfen. Oder wohnen die vielleicht alle zu weit entfernt? Ich habe mal nachgesehen, mein Schulweg betrug einen knappen Kilometer, der meiner Freundin circa anderthalb. Die kam immer die Straße entlang bis zu mir und von da sind wir zusammen gegangen. Auch bei Regen übrigens. An der Entfernung kann es also nicht liegen. Oder ist das womöglich der allgemein schlimmere Zeitdruck der Eltern, der sich da schon auf die Kleinen niederschlägt? Damit man mittags früher zuhause ist um noch rechtzeitig zum Trompetenunterricht zu kommen? Oder ist das eine neue Generation Eltern – die Generation Angst – die äußerst vorsichtig jede noch so etwaige Gefahr ausschaltet und den Kindern somit ein Stück ihrer Entwicklung zu einem selbständigen Menschen nimmt?

Traut denen ruhig mal was zu! Die können schon viel mehr alleine, als man so denkt. Und der Schulweg gehört eben dazu, wie ich finde.

Die Kompetenz, die eigenen Wege selbständig und selbstbewusst zu bestreiten ist doch so viel wichtiger, als die Note in Mathe!