Mein Fahrrad und ich

Endlich habe ich es geschafft, mir ein neues Fahrrad zuzulegen. Bei den Kilometern, die ich so wöchentlich reiße, hatte ich mir wirklich ein neues verdient. Mein altes ist nun schon an die 8 Jahre alt und war ohnehin nur ein sehr einfaches. Ein leichteres, sportlicheres sollte her, mit Scheibenbremsen bitte (weil ich mich auf Kos in das Bremsgefühl von Scheibenbremsen verliebt hatte) und zuuu teuer sollte es dann auch nicht sein. Wichtig auch: Die passende Rahmengröße, die bei meiner Körper„größe“ von gerade mal 1,60 (steht so im Ausweis, in Wahrheit sind’s nur 1,58) nicht unerheblich ist. Man darf nämlich ja nicht auf der Mittelstange sitzen, sondern zwischen Schritt und Stange müssen (bei Stadt- und Tourenfahrern) mindestens 5cm liegen (bei Geländefahrern sogar idealerweise mehr).

Es ist jedenfalls das Liv Rove 1 von Giant geworden und das habe ich am vergangenen langen Wochenende ausgiebig getestet.

Feiertagstour

An Christi Himmelfahrt bin ich das erste Mal ein Stück mit der S-Bahn aus der Stadt raus gefahren, bevor die Tour losging. Die ersten Touren hatte ich immer noch die Motivation, den kompletten Weg selbst zu fahren (es ist schon auch kuhl, nach Westen raus fährt man quasi immer durchs Brandenburger Tor und an der Siegessäule vorbei), aber nach dem 10. Mal wird es dann doch irgendwie langweilig. Und die 10km, die man so aus der Stadt rausfährt, kann man halt auch schöner im Grünen fahren. Ich bin also am Westend gestartet, weiter Richtung Westen raus, an der Havel entlang, habe ein paar Badestellen begutachtet, bin mit der BVG-Fähre von Kladow nach Wannsee übergesetzt und dann durch den Grunewald zurück. Wun-der-schön!

Brückentagtour

Am Brückentag, der mich ebenfalls mit feinstem Wetter weckte, hatte ich mir eine Wortwitz-Tour vorgenommen. Ein paar Berliner Brücken abklappern – wann sollte man das besser machen, als an einem Brückentag! Auch an diesem Tag ging es zunächst mit der S-Bahn auf die andere Seite der Stadt – das geht echt super mit der Ringbahn, auch mit Fahrrad – und dann immer am Wasser entlang von Westen nach Osten bis in den schönen Treptower Park.

Müggelsee

Am Sonntag war ich dann noch bei einem Festival im Jugenddorf am Müggelsee, ebenfalls mit dem Rad. Ein rundum gelungenes Radel-Wochenende!

Offiziell wohnhaft in Berlin

Es stimmt, was man so über die Bezirksämter in Berlin hört: Leider sehr sehr voll. Bereits im Dezember, noch bevor ich meinen Mietvertrag unterschrieb, hatte ich mir online einen Termin in einem Bürgeramt in der Nähe in irgendeinem überhaupt verfügbaren Bürgeramt reserviert. Also ging es heute ab zum Rathaus Schöneberg, was ich mit einer kleinen Radtour durch Berlin verbunden habe. Es war zwar ziemlich kalt, aber trotzdem sehr schön. Trotz Termin musste ich übrigens ganze 90 Minuten warten, nunja.

Wundert euch!

Wenn ich an einen neuen Ort ziehe oder reise, dann fallen mir plötzlich immer so Kleinigkeiten auf. Dinge, die einem an den vertrauten Orten nicht mehr so auffallen oder auf die man nicht mehr achtet. Alles riecht irgendwie neu und der Zauber des Neuen lässt mich auch bei Kleinigkeiten oft einen Moment innehalten und schmunzeln oder wundern oder nachdenken. Ich werde versuchen, das in Berlin möglichst lange zu behalten, mir auch wirklich die Zeit nehmen, solche Sachen bewusst wahrzunehmen. Und seien sie noch so banal! Wenn man kleine Kinder eine Weile beobachtet, finde ich es immer wieder unglaublich faszinierend, wie selbst die kleinsten Kleinigkeiten (das Rascheln einer Zeitung, eine bunte Lampe, das Schaukeln eines Mobiles) als die spannendste Beschäftigung überhaupt funktioniert. Wie Kinder sich für alles begeistern können finde ich grandios! Wir sollten uns alle auch viel öfter für Kleinigkeiten begeistern. Oder sie zumindest wahrnehmen!

berlin-15062009-s41-ringbahn-uhrzeigerrichtung-305057Ich hatte bereits ein paar solcher Momente in Berlin, einen davon möchte ich zumindest kurz als Beispiel erwähnen. Ich war ja schon häufig zum Arbeiten oder Freunde besuchen in Berlin, dennoch bin ich erst irgendwann vor ein paar Wochen das allererste Mal Ringbahn gefahren. Den Begriff der Berliner Ringbahn kannte ich natürlich, auch hat man ja aufgrund der Bezeichnung bereits eine gute Vorstellung, was die so macht. Das ist eben eine Bahnlinie, die im Kreis fährt. An sich schon mal ein schlaues System, wie ich finde.

berlin-26052012-s42-ringbahn-entgegen-602911Den eigentlichen Moment hatte ich dann aber erst beim zweiten Mal fahren: Die S41 fährt im Uhrzeigersinn, die S42 gegen! Hallo? Wie schlau ist das denn bitte?! Der Clou: Damit es auch wirklich der Letzte noch versteht, sind sogar die Ringbahnsymbole entsprechend mit einem Richtungspfeil gekennzeichnet. Wirklich schlau.

Wem das jetzt zu banal ist oder wer sich denkt „Oh man, bist Du doof, was dachtest Du denn wie das funktioniert?!“ dem sei von echten Helden gesagt: Zeit heilt alle Wunder.

:)

Berlin.

 

Die letzten Wochen haben sich hier eigentlich nur um ein Thema gedreht.

Zuerst war da die Überlegung in der Firma, wie sinnvoll es doch wäre, wenn eine(r) der sechs BielefelderInnen zur Verstärkung des (nur 3 Mann+Frau-starken) Berliner Büros den Standort wechselt. Diese Überlegung existierte in der Theorie schon eine ganze Weile, plötzlich war sie aber als expliziter Wunsch – oder sagen wir: Denkanstoß – wirklich ausgesprochen. Und ich ging mit der Idee eigentlich direkt schwanger und überlegte eine Woche still und heimlich (mit einigen intensiven Gesprächen im Freundeskreis). Tja… und so wurde aus einer Bielefelderin eine Bald-Berlinerin. Also zumindest Eine, die da bald wohnt – wollen wir mal nicht direkt übertreiben.

IMG_1773Als die Entscheidung gefallen war, wollte ich eigentlich direkt drauf los bloggen, vor allem über die Wohnungssuche, die sich als doch recht amüsant erwies. Aber irgendwie ging dann alles Schlag auf Schlag. Bielefelder Wohnung kündigen, im Internet nach neuer Wohnung suchen, Telefonate, Terminabsprachen, Besichtigungen. Und ganz viel Zug fahren logischerweise. Ich nehme das schonmal vorweg: Das mit der Wohnung hat bereits geklappt, Mietvertrag ist zum 1.1. unterschrieben und Umzug am 16.1. ist ebenfalls organisiert. Ich sagte ja schon: Es ging dann alles doch sehr schnell.

Ich war so besorgt, weil ich so viele Geschichten gehört hatte, wie schwierig die Wohnungssuche in Berlin sein soll. Als meine Wohnung dann gekündigt war, hatte ich tatsächlich ein bisschen Muffensausen. „Was, wenn ich keine passende Wohnung rechtzeitig finde. Bei wem komme ich dann unter? Ohje, und was ist dann mit meinen Möbeln!!!“

Also habe ich so richtige Streber-Wohnungsbewerbermappen fertig gemacht. Mit persönlichem Anschreiben inkl. Foto, in Schönschrift ausgefüllter Selbstauskunft, Einkommensnachweise, Schufa-Auskunft und und und. Bei einer Besichtigung waren 140 Leute. Hundert und vierzig! Da bekam ich keine Zusage. Bei allen anderen aber schon! Somit hatte ich sozusagen die Qual der Wahl, was es aber auch nicht unbedingt einfacher machte. „Was, wenn ich die jetzt absage und mich hinterher ärgere?!“ Alles völlig unbegründet, denn als die Zusagen zu MEINER Wohnung kam, wusste ich auch sofort, dass ich nicht zögere sondern direkt ja sage. Winsviertel! Wie fein <3

Die ohnehin schon gleichermaßen schockierten wie begeisterten Gesichter im Freundeskreis kommen aus dem Staunen nicht mehr raus, dass es nun doch SO schnell geht. Ich auch nicht. Ich packe Kisten und freue mich über diesen Schritt. Auch wenn das ein großer Schritt für eine Heimatverliebte wie mich ist. Deswegen gibt es hier keinen Jahresrückblick. Weil ich gerade zu sehr damit beschäftigt bin, nach vorne zu schauen. Berlin! Zieh Dich warm an!

Auf den vielen Zugfahrten haben ich übrigens je nach Uhrzeit gearbeitet (falls noch fit genug) oder gelesen und ich kann mit großer Begeisterung „Meine Winsstraße“ von Knut Elstermann empfehlen. Herrlich anekdotisch geschrieben, feine Geschichten!

IMG_20150520_004041