Eyes Wide Shut

Passend zur Lektüre der Traumnovelle habe ich nun die Verfilmung von Stanley Kubrick gesehen. In den Hauptrollen: Nicole Kidman und Tom Cruise. Und auch wenn ich Tom Cruise überhaupt nicht leiden kann, mag ich den Film.

Ich finde Kubricks Interpretation von Schnitzlers Traumnovelle sehr gelungen. Kubrick setzt die literarische Vorlage nahezu perfekt um. Der Film ist unterhaltsam, provozierend und doch sehr ästhetisch umgesetzt. Nicole Kidman in der Rolle der Alice wird besonders durch passende Lichtführung und Perspektive oftmals erotisch in Szene gesetzt, doch wirkt dabei nie anstößig, sondern immer unglaublich schön und voller unentdeckter Leidenschaften.

Generell ist die Verfilmung in weiten Teilen erstaunlich nah an der Textvorlage. Zwar adaptiert Kubrick das Geschehen in die moderne Zeit des New Yorks der 1990er (vielleicht tut er das, um die Problematik der Werktreue z. B. bei den Dialogen zu umgehen), doch trotzdem schafft es Kubrick, Schnitzlers Textvorlage nahezu eins zu eins zu übernehmen. Allerdings hatte Kubrick auch eine ganz eigene Idee der Traumnovelle. Er schafft einen eigenen Rahmen des gesamten Handlungsstrangs, in dem er eine bei Schnitzler nicht auftauchende Figur einführt: Den bösen Viktor. Dieser spielt auf dem anfänglichen Ball die Rolle des Gastgebers, welcher sich durch ein Tête-à-tête mit einer jungen, nackten Frau in seinem Badezimmer in Schwierigkeiten bringt, da diese offensichtlich den Drogencocktail nicht verträgt. Fridolin wird als Arzt um Hilfe gerufen und rettet der schönen Frau das Leben. Außerdem bittet ihn Viktor um Diskretion, da er verheiratet ist. Im weiteren Verlauf der Geschichte taucht die Figur des Viktor weiter auf, er war ebenfalls Teilnehmer des geheimnisvollen Maskenballs, genauso wie anscheinend die junge Frau. Kubrick schafft auf diese Weise eine Erklärung, warum plötzlich eine der Frauen beim Maskenball das Wort ergreift und sich für Fridolin opfert. Immerhin rettete Fridolin ihr zuvor das Leben…

Auffallend ist, dass das Wort ficken in der Verfilmung erstaunlich oft verwendet wird, auch dies ist eine Interpretation Kubricks und hat rein gar nichts mit der Textvorlage zu tun. In anderen Teilen ähneln oder gleichen sich Film und Buch. So ist z. B. die Maskenballszene haargenau übernommen worden (inklusive der musikalischen Untermalung), die auch Schnitzler bereits detailgetreu beschreibt.

Sehenswert.

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