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Dancing in Jaffa

Es gibt glaube ich wenig Tanzfilme, die ich nicht gesehen habe und damit erfülle ich wohl jedes Klischee einer Frau, die seit ihrer frühen Jugend selbst tanzt. Und das Lustige daran ist: Ich finde die alle meist ziemlich furchtbar. Also klar, es gibt so Klassiker wie Dirty Dancing oder Flashdance, die sind halt einfach… ja Klassiker eben und damit unanfechtbar. Aber alle anderen (Paar-)Tanzfilme haben immer so herzlich wenig mit meinem Verständnis vom (miteinander) Tanzen zu tun, dass ich mich eher drüber aufrege. Darf ich bitten? – Schlimm!

Doch Dancing in Jaffa ist anders. Alleine schon, weil es kein Spielfilm ist, sondern eine Dokumentation. Eine Dokumentation eines Experiments mitten im Krisenherd Nahost.

Das „Experiment“, wie ich es einfach mal nenne, ist schnell erklärt: Der ehemalige Profitänzer Pierre Dulain versucht 150 palästinensischen und jüdischen Kindern in nur 10 Wochen das Tanzen beizubringen. Und vor allem: Das miteinander tanzen. Der Tanz als Mittel zur Völkerverständigung.

If my father sees me with an Arab he’ll kill me.”

 

Die Problematik ist klar. Und entsprechende Anlaufschwierigkeiten gibt es: »Der Islam verbietet uns, Mädchen anzufassen.« oder »Ich tanz nicht mit dem, der ist Jude.« Dulain muss hart durchgreifen und hartnäckig auf gegenseitigen Respekt bestehen. Am Ende tanzen alle miteinander und verlieren einen Teil der Berührungsängste und Vorurteile. Und sind stolz auf sich selbst und aufeinander.

Was zurück bleibt: Die Zuversicht, dass man bei der nächsten Generation etwas in den Köpfen verändern kann, aber auch die Traurigkeit darüber, dass es nunmal nicht so unkompliziert ist. Das Leben ist leider viel zu selten so einfach, wie ein Tanz.

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