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1000 Morgen

Einer der Lieblingsfilme meiner Jugend und Watchever-sei-Dank habe ich den zufällig wiedergefunden und nochmal ansehen können. Ein super Drama wie ich finde. Immer noch, ich habe mich damals nicht getäuscht. Der Plot ist ziemlich heftig und besonders Michelle Pfeiffer spielt ihre Rolle unfassbar mitreißend…

Einer der Lieblingsfilme meiner Jugend und Watchever-sei-Dank habe ich den zufällig wiedergefunden und nochmal ansehen können. Ein super Drama wie ich finde. Immer noch, ich habe mich damals nicht getäuscht.

Der Plot ist ziemlich heftig und besonders Michelle Pfeiffer spielt ihre Rolle unfassbar mitreißend. Es fängt alles als unscheinbarer Erbschaftsstreit zwischen drei Töchtern und ihrem Vater an und langsam zerbröckelt aber leider die heile familäre Welt weiter und weiter und immer mehr schlimme Dinge passieren oder kommen ans Licht. Alles gerät aus den Fugen. Daher wird es nie wirklich langweilig, man kommt aber auch irgendwie nie zur Ruhe. Schon stressig, wenn man sich gänzlich auf die Handlung einlässt. Ich möchte gerade lieber nicht Blutdruck messen müssen.

Teilweise auch etwas zu überspitzt inszeniert, irgendwann gibt es eine Szene in welcher der Vater mit seinen Töchtern abrechnen will und sie dann aber Gegenzug auch endlich mit ihm und zur Verstärkung der Dramatik wird das Gewitter immer stärker und es blitzt die ganze Zeit. Das find ich schon ein bisschen zuuuu viel filmisches Klischee.

Ein anderes Klischee, was voll und ganz abgegriffen wird ist das des bösen, gewalttätigen Vaters der sich – und ACHTUNG hier beginnt der SPOILER – an seinen Töchtern vergeht oder verging und auch sonst nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Das Thema wirkt auf den ersten Blick ziemlich plakativ. Ist es auch aber bei einem solchen Thema m.E. unbedingt notwendig. 

Sexuelle Übergriffe innerhalb der Familie sind nämlich leider leider leider keineswegs nur ein überspitztes Filmthema, sondern es gibt sie wirklich. Täglich werden alleinin Deutchland durchschnittlich 40 Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch (und das sind nur die registrierten Straftaten) und der Großteil der Übergriffe passiert im engen Familienkreis. Immer noch. Man darf sich diesem Thema also durchaus auch mal filmisch stellen, auch wenn es (zumindest mir) unvorstellbar unter die Haut geht, weil es so abartig, widerwärtig, ekelhaft ist. Schwer zu ertragen, solche Sätze:

He didn’t rape me, Ginny. He seduced me. He said it was okay and that it was good to please him. That I was special and he loved me.

Die Schwestern wurden als Teenagerinnen beide von ihrem Vater zum Sex gezwungen und ich schreibe bewusst gewungen, auch wenn der Vorgang ohne körperliche Gewalt und körperlichen Zwang ablief. Der Vater oder Mann, der seine Machtposition gegenüber einer schwächeren Person ausnutzt, übt aber nunmal Zwang aus!

Beide verarbeiten das Erlebte jedenfalls völlig unterschiedlich. Die eine hat alles verdrängt und will das auch alles überhaupt nicht wahrhaben als ihr die andere Schwester davon erzählt. Diese wiederum hat aus dem Umgang und der Konfrontation mit dem Geschehenen ihre Stärke gezogen. Schlimm für beide ist, dass ihr Vater von allen im Dorf so hoch angesehen wird. Und sie es besser wissen, weil sie eben wissen, was hinter der Fassade steckt, aber man eben nicht darüber spricht.

What kills me is this person who can fuck his own daughters and can go into the community and get respect and power and take it for granted that he deserves it.

Schwere Kost für einen Montagabend, aber leider allzu präsent. Mehr Infos zum Thema gibt es z. B. bei Wildwasser Bielefeld. Die haben übrigens auch ein sehr sinnvolles Spendenkonto und freuen sich immer über Unterstützung…

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