Schlüsseljagd im Cyberspace

Diese Kurzgeschichte habe ich in der achten Klasse geschrieben und ebenso wie die Johannes Quatsch-mit-Sauce-Geschichten möchte ich sie gerne hier festhalten, auch wenn sie natürlich aus einer sehr viel späteren „Schaffensphase“ stammt :D Das ist dann aber auch die letzte Veröffentlichung dieser retrospektiven Serie. Das Unterrichtsthema war Computer und Computerspiel – soviel weiß ich noch – und dazu sollte eine Kurzgeschichte geschrieben werden.

 

Schlüsseljagd im Cyberspace

Das Telefon klingelte und Lilly nahm ab. „Hey Lilly, ich bin’s Mike. Du, es tut mir leid, aber ich kann heut’ doch nicht.“ „Warum?“ fragte Lilly verwundert. „Thomas, der Neue, wollte heute zu mir kommen… Ich zeige ihm ein wenig die City, aber morgen hab’ ich ganz sicher Zeit für Dich… also nicht sauer sein, o.k.?!“ Lilly und Mike waren seit Jahren die besten Freunde und eigentlich unzertrennlich. „Ich find’s echt scheiße von dir. Glaubst du, ich lasse mir von dir vorschreiben, wann wir uns treffen und wann nicht… nur weil du… Ach vergiss es, mach doch was du willst!“ schrie Lilly ins Telefon. Während Thomas und Mike die City unsicher machten, saß Lilly alleine zu Hause und langweilte sich. „Typisch Junge, denkt wohl, er kann mich hier einfach so hängen lassen – Flasche! Er kann demnächst auch alleine skaten, soll er sich ’ne andere Dumme suchen!“ dachte Lilly wütend. Abends mailte Mike: „Hey, noch sauer? Mit Thomas war’s voll lustig, du glaubst gar nicht was der für Schüsse beim Fußball drauf hat. Irre cool. Und der hat all die angesagten Computerspiele! Irre cool. Musst nächstes Mal mitkommen… wirst ihn mögen – 100%ig! Mail back, Mike“

Lilly überlegte lange, ob sie zurückschreiben sollte. Schließlich mailte sie: „Irre cool… Irre cool! Hast du auch noch was anderes drauf, als alles nur ‘irre cool’ zu finden? War heute mit Stefan im Kino, war auch irre cool! Lilly“ Ob es wohl richtig war ihren besten Freund aus Wut einfach anzulügen? Lilly plagte das schlechte Gewissen. Am nächsten Tag herrschte zwischen den beiden Freunden Funkstille – kein Wort, keine Blicke, gar nichts! Nachmittags stand Lilly vor Mikes Haustür, die von seiner Schwester Marry aufgerissen wurde. „Hi Lilly, mein kleiner Bruder ist in seinem Zimmer und spielt eines dieser dämlichen Ballerspiele am PC, wenn er nicht mit diesem Thomas weg ist…!“ Und zack! – Weg war sie. Auf dem Weg zu Mikes Zimmer gingen Lilly immer wieder die Worte seiner Schwester durch den Kopf. Mike hatte schon ewig kein PC-Spiel mehr gespielt. War er wohl allein? Was, wenn Thomas auch da war? Ob Mike schon die Wahrheit wusste; nämlich dass sie gestern gar nicht mit Stefan im Kino war!? All diese Gedanken bereiteten ihr ein schlechtes Gewissen. Vor der Zimmertür blieb sie stehen. Plötzlich kam ihr der Gedanke, dass Mike gar keine beste Freundin mehr brauchte – zumindest keine, die ihn anlügt.

Sie betrat das Zimmer, alles schien normal zu sein, doch plötzlich hörte sie eine leise Stimme, die aus dem Computer kam: „Lilly, du musst mir helfen, hilf mir! Bitte rette mich, Lilly!“ sagte die Stimme. Diese Stimme kannte sie doch! „Mike, was machst du da?“ rief Lilly entgeistert. Jetzt sah sie den Körper zu der Stimme: Mike. Sie sah Mike im Computer… „Bitte rette mich, ich bin hier gefangen. Du musst die drei Schlüssel finden und das Tor öffnen – schnell!“ „Was?! Welche drei Schlüssel, was für en Tor? Ich versteh das alles nicht! – Mike? Mike…“ Mikes Bild auf dem Bildschirm wurde schwächer und schon befand Lilly sich selbst in dem Spiel.

Sie fühlte grauenhafte Hitze und sah sich um. Sand, Sand und Sand… In der Ferne war eine Pyramide zu sehen. „Ich werde sehen, was diese Pyramide versteckt, etwas anderes kann ich jetzt eh nicht tun!“ Als Lilly die Pyramide betrat sah sie ihn. Diese glänzende Schönheit und Klasse schien zum Leben erweckt zu sein. Der mumifizierte, eben noch leblose Pharao war nun lebendig und strahlte ein ungeheure Anziehungskraft aus. Lilly ging auf ihn zu und streckte ihre Hand aus, um ihn zu berühren. Die Augen des Pharaos blitzten auf und seine Hand griff in Lillys Richtung. Blitzschnell wich sie ihm aus und rannte zum Ausgang. Doch in dem Moment stürzte dieser auch schon ein und Lilly war gefangen. „Ich werde dich töten. Ich werde dich töten!“ rief der Pharao immer wieder und erhob sich langsam von seinem Thron. Da sah Lilly ihn. Er war unscheinbar klein und blitzte am Hals des Pharaos. „Ein Schlüssel, das muss einer der drei Schlüssel sein, die Mike erwähnte“ schoss es Lilly durch den Kopf. „Ich werde dich töten. Ich werde dich töten!“ meinte der Pharao aufs Neue und kam dabei langsam immer näher. Lilly saß in der Falle; sie konnte weder vor noch zurück.

Alles was ihr blieb war die Hoffnung, dass der Pharao plötzlich seine Gutmütigkeit entdeckte oder… Sie sah einen Schalter neben sich. Ohne lange zu überlegen legte Lilly den Schalter um. Es fing an zu donnern und der Pharao blickte nach oben. Blitzschnell huschte Lilly an ihm vorbei und hob gleichzeitig den Schlüssel, der durch den Donner zu Boden gefallen war, auf. Lilly rannte in Richtung des Throns des Pharaos, während dieser zornig aufschrie. „Gib ihn mir wieder du kleine Göre!“ hörte Lilly ihn rufen und seine bedrohliche Hand kam immer näher. Mit einem gekonnten Sprung verschwand sie in der Bodenluke hinter dem Thron. Von nun an war es still.

Lilly kam es vor, als schlitterte sie eine Rutsche herunter. Immer weiter, immer weiter in die Tiefe… „Autsch!“ rief Lilly auf, denn die Landung war sehr hart. Der Raum, in dem sie sich nun befand, war feuchtkalt und ihr gegenüber stand… „Das ist doch nicht zu fassen! Mike! Da bist du ja wieder! Gott-sei-Dank ist dir nichts passiert. Ich wollte doch mit dir reden. Was fällt dir eigentlich ein…“ „Falsch Lilly! Ich rede mit dir! Eins solltest du gelernt haben: Wenn es nicht anders geht, kommt man nur mit List und Tücke weiter… Doch du musst noch viel lernen! Gut, den ersten Schlüssel hast du, nun sieh zu, dass du die anderen beiden findest.“ entgegnete Mike und schob sie in ein Loch im Boden. Platsch!

Lilly tauchte ins Wasser. Nun hatte sie eine schwere Taucherausrüstung an, die jedoch im Wasser leicht wie eine Feder zu sein schien. Lilly war anscheinend sehr tief im Wasser, denn es war ziemlich dunkel. Ohne ihre kleine Lampe hätte sie in der Tiefe so gut wie nichts sehen  können. Plötzlich spürte Lilly hinter sich etwas näherkommen. Sie drehte sich um und erstarrte: Ein riesiger Hai mit fletschenden Zähnen kam direkt auf die zu. Lilly schwamm so schnell sie konnte auf das alte, gesunkene Schiff zu, das sie entdeckt hatte. Sie tauchte durch ein Fester hindurch und war vorerst gerettet. Wimmernd vor Angst sah sie sich um. Auf dem Boden entdeckte sie eine alte Harpune und hob sie auf. „Wer weiß wozu ich die noch brauchen kann“ dachte Lilly und ließ sie in ihrer Tasche verschwinden. In einer Ecke stand eine Vase. „Vasen sind ein gutes Versteck für Schlüssel“ überlegte sie und schwamm auf die Vase zu. Als sie diese berührte verwandelte sich die Vase plötzlich.

Die Gestalt hatte blutunterlaufene Augen und grunzte fürchterlich. „Du willst mich wohl ärgern, was?!“ schnauzte die Gestalt. „Nein, keineswegs“ gab Lilly zurück, „es ist nur… ich suche einen Schlüssel. Du hast nicht zufällig einen?“ „Tz tz tz. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich dir meinen Schlüssel gebe. Außerdem habe ich doch gar keinen!“ „Ach du liebes Tierchen“ schleimte Lilly, „wenn du einen hättest… Was müsste ich tun, damit ich mir den mal ausleihen dürfte?“ „Tja. Wenn ich einen hätte“, überlegte die witzige Gestalt, „dann müsstest du eine Partie Schach gegen mich gewinnen. Was du wissen solltest. Ich verliere nie!“ Wie gut, dass Lillys Opa ihr einmal Schach beigebracht hatte. „Gut, spielen wir! Aber wenn ich gewinne, dann bekomme ich deinen Schlüssel!“ schlug Lilly vor. „Ok! Aber was bekomme ich denn, wenn ich gewinne? Und ich werde gewinnen!“ fragte das Tier. „Ich weiß was!“ rief Lilly. „Wenn du gewinnst, dann helfe ich dir, aus diesem Schiff heraus zu kommen.“ „Nein! Ich will hier nicht weg. Wenn ich gewinne, dann musst du dein Leben lang hierbleiben, anders kommen wir nicht ins Geschäft!“ forderte die kleine Gestalt. „Hmmmm. Ok! Spielen wir!“

Während sie spielten wurden Lillys Chancen zu gewinnen immer schlechter. Während des Spiels musste sie an Mike denken und was er gesagt hatte: „Wenn es nicht anders geht, kommt man nur mit List und Tücke weiter!“ hatte er gesagt. „Lass uns eine Pause machen, was ist eigentlich mit der Wand da passiert?“ lenkte Lilly das Wesen ab und stellte die Schachfiguren für sich günstig. „Das hab ich gesehen!“ rief die Gestalt. „Du schummelst! So, du hast verloren! Nun bleibst du für immer bei mir!“ Lilly entschuldigte sich x-mal, aber da war nichts zu machen. „Du hast ein Herz aus Eis! Was, wenn mein Sauerstoff zu Ende geht?!“ schrie Lilly das Tier an. „Das macht mir gar-gar-überhaupt nichts!“ grinste das Wesen. Plötzlich und unerwartet griff eine Hand durch das Fenster und schnappte die Gestalt. „Aaaah, Hilfe! Sie erdrückt mich!“ Ohne lange nachzudenken holte Lilly die Harpune aus der Tasche und schoss auf die Hand. Diese ließ sodann das Wesen los und war verschwunden. „Ist alles in Ordnung, kleines Ding?“ fragte Lilly. „Ja danke. Du hast mir das Leben gerettet! Ich hätte jetzt tot sein können. Warum hast du mich gerettet? So hättest du doch an meinen Schlüssel heran kommen können.“ wunderte es sich. „Ich vertraue dir“, erklärte Lilly, „und außerdem mag ich dich, kleines Wesen.“ „Du bist so lieb zu mir! Als Dankeschön möchte ich dir meinen Schlüssel schenken und ich lasse dich gehen.“…

Nun befand Lilly sich, wie es ihr schien, in einem Raumschiff. Mike saß in der anderen Ecke und fing an zu reden: „Lilly, nun hast du den zweiten Schlüssel. Was hast du dazu gelernt?“ „Weiß nicht, du Blödmann, vielleicht dass man mit Harpunen schießen kann???“ entgegnete Lilly frech. „Falsch Lilly. Vertrauen und Freundschaft können sogar ein Herz aus Eis weichkochen. Und nun finde den dritten und letzten Schlüssel und öffne das Tor.“ „Welches Tor, du Schlaumeier?“ Und wieder war Mike einfach verschwunden und das Raumschiff landete. Der Planet, auf dem sich Lilly nun befand, war von war von glänzender Farbenpracht. Lilly wusste gar nicht, welches Gewächs sie sich zuerst anschauen sollte. Sie trat auf eine wunderschön aussehende Blume zu. Doch plötzlich schnappte diese zu und erwischte einen Teil von Lillys Schuh. Die Blume ließ nicht mehr los. „Hilfe! So hilf mir doch jemand.“ bat Lilly, aber niemand war da. „Ich stecke in einer Falle, so ein Mist! Was mach ich nur, was mach ich nur???“ Auch das gute Zureden Lillys brachte bei dieser heimtückischen, außerirdischen Pflanze nicht viel. Lilly dachte an das, was sie gelernt hatte. „Hmmm. Mit List und Tücke werde ich hier wohl nicht weiterkommen. Freundschaft bringt wohl auch nichts und Vertrauen hat mich doch erst in dieses Schlamassel gebracht. Ist das alles ein Mist! Was soll ich bloß tun?“ Lilly grübelte noch eine Weile und dann kam ihr eine Idee. „Über Gewalt als Notwehr hat mir Mike der Dummkopf noch nichts erzählt…“ Sie holte mit ganzer Kraft mit ihrem freien Fuß aus und trat die Pflanze, die danach in hohem Bogen wegflog. „Endlich frei“, dachte Lilly, als ein komisches Wesen auf sie zu kam.

„He du! Weißt du wo ich einen Schlüssel finde?“ rief sie ihm zu. „Ja, da in der Höhle…“ Als Lilly die Höhle betrat, bekam sie plötzlich einen Laserschuss ab. Die klaffende Wunde blutete und Lilly sank in sich zusammen. In der Mitte der Höhle sah sie hinter Panzerglas einen goldenen Schlüssel, der von mehreren Wachen beobachtet wurde. „Warum schießt ihr auf mich? Würdet ihr mir vielleicht den Schlüssel verkaufen oder so?“ Erneut Schüsse… Lilly wurde klar, dass man mit diesen Leuten keine Geschäfte machen konnte. Sie entdeckte neben sich einen Revolver. „Wer nimmt denn da den Schlüssel weg?“ schwindelte sie und griff blitzschnell nach dem Revolver. Schuss! Schuss! Schuss!… Jedem Wachmann schoss sie das Bein an und humpelte zum Schlüssel, den sie hinter dem Glas hervorholte. Einem der Männer sagte sie: „Du bekommst einen Kuss, wenn du mir sagst, wo ich in der Nähe ein Tor finde, für das ich drei Schlüssel brauche.“ „Nicht jedes Tor ist leicht zu erkennen, manche Tore sind unscheinbar, sodass niemand sie dort vermutet. Nur Mut, nur Mut.!“ philosophierte dieser.

Lilly machte sich auf den Weg zu der anderen Höhle, die sie bei der Landung gesehen hatte. In dieser war niemand und ein Tor war nirgends zu sehen. Plötzlich brach die Höhle in sich zusammen und Lilly schaffte es gerade noch, unter den herunterfallenden Steinen zum Ausgang zu schlüpfen. „Dieser Mistkerl, das war eine Falle, er wusste sich dass ich hinein gehen würde!“ wusste Lilly. Jedes Nachdenken scheiterte; sie konnte sich einfach nicht vorstellen, wo sich dieses Tor verbergen könnte. Dann fiel ihr Blick nach oben – in den unendlichen Weltraum. Direkt über ihr verbarg sich ein schwarzes Loch. „Unscheinbar, wie eine Art Tor“, hatte ihr Opa einmal erzählt. Das war es! Sobald Lilly von der geringen Anziehungskraft dieses Planeten los gekommen war, schwebte sie in die Richtung des schwarzen Loches. zuerst zögerte sie etwas, doch dann fiel ihr der Satz des Mannes ein: „Nur Mut! Nur Mut!“ Lilly ließ sich treiben. Und tatsächlich! Sie kam an eine Art Tor, das drei Schlüssellöcher hatte. Auf dem Tor stand: Das Gewissen.

„War wohl irgendein Scherzkeks, der das dahin geschrieben hat.“ überlegte Lilly und steckte nacheinander alle drei Schlüssel in die Schlösser. Das Tor öffnete sich und schloss sich nach Lilly. Was dann geschah, lässt sich kaum in Worte fassen. Ein grimmig aussehender, riesiger Mann brüllte: „Du Göre! Eifersüchtiges Pack! Dir tut es nicht mal leid! Ich denke er ist dein bester Freund! Warum gönnst du ihm denn nichtmal einen Kumpel? Böse! Böse! Böööööööse…“ „Mike! Hilf mir!!! Aaaaaaah.“ „Hey Lilly, was ist los? Ich bin doch bei dir. Ich doch nur kurz mit Thomas weg…“ „Mike! Es tut mir alles so leid! Das Tor! Die Schlüssel und mein Gewissen…“ „Lilly! Beruhige dich!“ Lilly schilderte aufgewühlt von ihren Abenteuern im Cyberspace und langsam wurde ihr klar, dass sie für die Stunden, die Mike weg war, in ihrer ganz eigenen Welt gelebt hatte.

„Es tut mir so leid, Mike! Du bist doch mein bester Freund und ich habe mich wie die letzte Idiotin benommen!“ „Ach Lilly, das ist doch nicht so schlimm. Deine Einsicht und deine Freundschaft kochen mein Herz aus Eis in nullkommanichts butterweich!“, sagte Mike und zwinkerte.

 

Ein schön ironischer Schluss für eine Geschichte, in der die Hauptperson auf märchenhafte Weise gut erzählte Abenteuer bestehen muss. Idee und Umsetzung sind sehr gelungen. Vielleicht hättest du vermeiden können, für die Übergänge in die virtuelle Welt (fiktive) technische Erklärungen zu finden.

sehr gut Der Deutschlehrer

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