Schornsteinfegerglück

Heute war der Schornsteinfeger zu Besuch; natürlich um den Kaminabzug zu überprüfen. Der Winter kommt schließlich bestimmt noch irgendwann. Ich bin gespannt was dran ist an dem Aberglauben, dass Schornsteinfeger einem Glück für’s neue Jahr bringen.

Jedenfalls musste ich ein bisschen nachdenken über den Begriff Glück und glücklicherweise (hihi) fiel mir wieder ein, dass ich mal ein ganz fantastisches Buch zum Thema gelesen habe. Nämlich Paul Watzlawicks Anleitung zum Unglücklichsein. Wo andere einen Ratgeber schrieben, wie man es schafft glücklich zu leben, verfasste Watzlawick das komplette Gegenstück. Wie man es immer wieder schafft, sich das Glück zu vermiesen. Und das ist herrlich zu lesen, besonders wenn man sich als ostwestfälische Meckernatur des Öfteren ziemlich deutlich angesprochen fühlt.

Lesenotiz Paul Watzlawick

Ein paar meiner Lieblingsauszüge…

»Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.«

Das ist eigentlich der Aufhänger des Ganzen. Die Arbeitsthese wenn man so will. Über was soll man denn auch stöhnen und sich beschweren, wenn alles gut läuft. Man bekäme weniger Aufmerksamkeit, dadurch weniger Bestätigung und dann wäre wiederum nichts mehr gut.

»Zu lange hat man uns eingeredet – und wir haben treuherzig geglaubt –, daß die Suche nach dem Glück uns schließlich das Glück bescheren wird.«

Für mich eine ziemlich wichtige – wenn auch nicht neue – Erkenntnis: Suche nicht, finde! Oder auch: Der Weg ist das Ziel.

»Im Leben gibt es zwei Tragödien. Die eine ist die Nichterfüllung eines Herzenswunsches. Die andere ist seine Erfüllung.«

Wie wahr, wie wahr! Viel zu oft wünscht man sich etwas von ganzem Herzen, kann an nichts anderes mehr denken, und kaum hat man es (gehabt), ist der Reiz weg. Schokolade zum Beispiel.

Besonders fantastisch (soweit ich mich erinnere) fand ich allerdings Watzlawicks Ausführungen zum Thema Liebe und Beziehungen. Nämlich, dass Liebende sich selbst doch immer wieder ad adsurdum führen.

»…die Liebe als einen vergeblichen Versuch, eine Freiheit als Freiheit zu besitzen.

So verlangt der Liebende den Schwur und ist über den Schwur unglücklich.«

»Er will von einer Freiheit geliebt werden und verlangt, daß diese Freiheit als solche nicht mehr frei sei.«

Ich kenn das nur zu gut. Man will beispielsweise, dass der Partner Zeit mit einem verbringt. Aber wenn er das tut, weil man danach fragt, ist es auch nicht richtig. Und selbst wenn er das von sich aus tut, wird man das Gefühl nicht los, dass dem nur so ist, weil er denkt, dass man es von ihm erwartet. Irgendwie ein Teufelskreis. Es ist schon schwer, es sich gegenseitig recht zu machen. Folgt man Watzlawicks Theorien, ist das sogar unmöglich. Und dann ist die Lösung eigentlich einfach: Man könnte versuchen aufzuhören, es dem anderen ständig recht machen zu wollen. Erstmal bei sich selbst schauen, die eigenen Bedürfnisse erkennen und akzeptieren. Unabhängig von einem anderen. Wenn ich Lust habe ins Kino zu gehen, sollte diese Lust nicht weniger werden, nur weil ein anderer keine Lust drauf hat. Naja, finde ich jedenfalls.

»Man suche sich den Partner, der durch sein So-sein das eigene So-sein-Wollen ermöglicht und ratifiziert, doch hüte man sich auch hier vor dem Ankommen am Ziel.«

Das ist auch lustig. Geht man davon aus, dass man jemanden mag, weil dieser erstens einen selbst spiegelt und auf der anderen Seite so ist, wie man selbst gerne wäre – und geht man weiter davon aus, dass sich Partner mit der Zeit immer ähnlicher werden, kann das irgendwann ein Problem werden. Weil man nämlich selten so ist, wie man gern wär. Und dann hat man ein Gegenüber, welches genau diese Tatsache irgendwann wiederum spiegelt.

Jetzt habe ich mich selbst verwirrt und kann nicht mehr folgen. Aber verstanden habe ich es, glaube ich.

»Nichts in der Welt hat Bestand, immer folgt Ebbe den Fluten.«

Das würde ich gern als letzten Satz stehen lassen aber muss betonen: Das klingt nur auf den ersten Blick negativ. Wenn man sich das klarmacht, wird eigentlich alles klar. Irgendwie. Das ist nämlich total positiv, wenn man es nur richtig versteht.

3 Kommentare zu „Schornsteinfegerglück“

  1. Ach! Dass ja lustig! Meine Schwiegermutter sagt immer, das ihr Mutter immer gerne gesagt hat: Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von Feiertagen. Wie doppelt lustig, dass es dazu noch ein „Orginal“ gibt.

    Zur eigentlichen Sache kann ich noch Albert Camus ins Feld führen: Der Sinn des Lebens ist nichts, was dem Leben von alleine inne wohnt, sonder man muss ihn selber hineinlegen. Man muss sich aktiv FÜR etwas entscheiden, und sich zu eigen machen.

    Ausserdem kann ich zu dem Thema nur Allain de Botton empfehlen. Ich hab bisher nur „Muffen und Freuden der Arbeit gelesen“, ändert wenn ich mir sein anderen Buchtitel ansehe, hat er viel zum Glück zu sagen.

    1. Ich glaube (wenn ich das richtig verstanden habe), bezieht sich Watzlawick damit auf eine „Volksweisheit“, also im Grunde ist wahrscheinlich die Mutter Deiner Schwiegermutter das Original :D
      „Muffen und Freuden der Arbeit“ – Danke für den Tipp, das kommt auf jeden Fall alleine für den Titel schon auf meine Leseliste.

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