Boris Sans Béatrice

 

Mein persönlicher Berlinale-Auftakt war gestern Abend die Premierenvorstellung des kanadischen Wettbewerb-Films »Boris Sans Béatrice« von Denis Côte.

Zur Handlung (Achtung, evtl. inkl. Spoiler): Boris ist ein erfolgsverliebter Typ, der mitten im Leben zu stehen scheint. Nach und nach bemerkt der Zuschauer, dass Boris’ Leben in Wahrheit ganz schön aus den Fugen geraten ist: Seine Frau Béatrice – Ministerin der kanadischen Regierung – steckt in einer schweren Depression fest und wird auf einem Landhaus gepflegt. Zudem hat Boris eine Affäre mit einer Kollegin und weder Kontakt zu seiner im Altersheim lebenden Mutter noch zu seiner linksaktiven Tochter. Außerdem bahnt sich ein Flirt zwischen Boris und der jungen Haushälter an, die Boris extra zur Pflege seiner Frau engagierte.

Eines Nachts möchte ein mysteriöser Fremder Boris im Wald treffen um ihm zu sagen, wie er Béatrice aus ihrer Krankheit helfen kann. Der Fremde wäscht Boris als exzentrisches menschgewordenes Gewissen den Kopf und behauptet, Boris sei Schuld am schlechten Zustand seiner Frau. Er solle sich ändern, dann ginge es seiner Frau besser.

Naja, um den restlichen Handlungsverlauf mal abzukürzen: Nach und nach und über ein paar Umwege (er trennt sich zwar von seiner Kollegin bzw. sie trennt sich von ihm?!, dafür fängt er aber nochmal kurz was mit der Haushälterin an. Äh ja.) „bessert“ er sich und siehe da: Seine Frau wird wieder gesund und alles wird wieder gut.

Soso, so einfach ist das also. Einfach ein besserer Mensch werden. Die Gesamtaussage ist mir ein bisschen viel zu simple und die surrealen und grotesken Szenen mit „dem Gewissen“ waren mir zu … sagen wir … extravagant zwischendurch. Der Typ stellt sich am Ende noch als Heimleiter des Altersheims von Boris’ Mutter heraus, aha. Leider schießt Denis Côte zwischendurch zu sehr übers Ziel hinaus, auch wenn mir die Grundidee von Psychothriller meets Selbstfindungs-Märchen durchaus gefällt. Selbstfindung ja, moralische guter-Mensch-böser-Mensch-Keule nein. Außerdem fehlte mir ein bisschen die Sicht von Béatrice. Die ist ja offensichtlich reines hilfloses Opfer der Arroganz ihres Mannes?! Sehr einfach und altbacken gedacht. Schade, 2013 hat Denis Côte immerhin einen silbernen Bären geholt – Boris Sans Béatrice wird (trotz herausragenden schauspielerischen Leistungen) keinerlei Chance haben.

War trotzdem sehr hübsch, das erste Mal im Berlinale Palast (inkl. Film Crew) zu sitzen :)

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mir ist noch aufgefallen: Der Film besteht den Bechtel Test (die 100$ Szene an der Tür). Und ja, wir wissen, dass das nichts aussagt :)

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